Eine Ode an den Bachelor

Ich sitze beim Italiener. Eine Frau kommt rein und sagt “John Porno” anstatt “Buongiorno”. Das finde ich lustig. Nicht den Witz, sondern, dass sie das sagt. Wenn die Leute genug verzweifelt sind, tun sie alles. Sie suchen sich einen Job im Aargau, sagen “John Porno” oder machen beim Bachelor mit. Den finde ich auch lustig. Und traurig. Ich schäme mich für die Ladies und manchmal auch für mich selbst. Aber darum schaue ich nicht. Sondern wegen den kurzen Momenten, wo wahre Gefühle aufblitzen. Weil sonst alles insziniert ist, stechen diese viel mehr heraus. 36,6 Grad warm, direkt aus dem Leben, wo Unsicherheit, Ratlosigkeit und Angst für einmal nicht hinter grossen Brüsten oder einem Bizeps versteckt werden. Wenn der Bachelor ein verzweifeltes “Bitte vergib mir, ich weiss ja au nöd was di richtig Entscheidig isch” weint, dann finde ich das grandios. Der allwissende, töfffahrende Bachelor, der genau weiss was er will und mit beiden Beinen im Leben steht, fleht um Vergebung. Das ist authentisch. Und anders. Und anders finde ich super. Ausser man schreit im Zug fremde Leute an. Dann ist das zwar anders, aber nicht super. Gegen den Schluss hat eine gesagt, sie habe “Gänsehuät”. Ich habe selbst zwar keinen Hut, aber ich finde es toll, wenn andere einen haben.