Ungarn

Mitte 30 hatte ich eine Freundin für die ich bis ans Ende der Welt gegangen wäre. Zum Glück kam sie nur aus Ungarn. Ich zog in ihre Heimat und wir kauften uns ein abgelegenes Häusschen im Hochland. Es sass oben auf einem Hügel und wir führten dort ein einfaches Leben. Wir hatten nicht viel und darum fehlte uns an nichts. Wir waren sehr glücklich.
Ich fand Arbeit auf einem Bauernhof in der Nähe und ging jeweils früh am Morgen los um spät am Abend zurückzukehren.
Ich sah sie bereits von weit her, die zwei stämmigen Männer mit denen sie vor dem Haus diskutierte. Wir hatten da oben nicht viel Besuch und ich liess sie nicht aus den Augen während ich näherkam. Ich war ausser Puste als ich unser Häusschen erreichte, aber da waren die Hände bereits geschüttelt und die Männer schlängelten sich in ihrem verbeulten Auto den Hügel hinunter.
“Wollten sie Brennholz verkaufen?”. “Nein, Katzen”, sagte sie mit einer Leichtigkeit wie ich sie nur von ihr kannte. Und tatsächlich waren zwei Katzen in einem Korb am Boden und leckten ihre Pfötchen. “Für nur 100 Forint” fügte sie hinzu und sah in die Ferne als ob das Geld auf den Bergspitzen wachse. “Das ist doch kein Geschäft für die – da kostet das Benzin für die Fahrt hierrauf mehr”. Mir kam die ganze Geschichte schon sehr komisch vor. Die Männer mit ihren kräftigen Körper und ihren dunkeln Gesichtern. Ich traute ihnen nicht, aber meine Freundin war glücklich und die Katzen leckten weiter ihre Pfötchen. Am nächsten Abend stand der Katzenkorb in der Küche. Eine von ihnen war sehr faul. Sie bewegte sich nur spärlich und ausgesprochen hölzern. “Das ist doch kein Katzenleben” wollte ich protestieren, aber ich sah, dass es für meine Freundin eines war. Sie machte keinen Unterschied – sie mochte beide Katzen genau gleich fest. Der Winter zog ins Land und der Frühling kam und seit wir die Katzen hatten lag ich in der Nach oft wach und dachte an die geheimnisvollen Männer. Es war eine Vollmondnacht als ich mich hin und her wälzte und schliesslich in die Küche ging um gedankenverloren die Katzen zu streicheln. Eine war müde und die andere faul, also liessen sie es zu, dass ich ihnen über ihr weiches Fell strich. Plötzlich spürte ich etwas Hartes. Es war kalt und zwischen all den Haaren gar nicht zu sehen. Als ich es zwischen Zeigfinger und Daumen zu spüren bekam stockte mir der Atem. Es war ein Reissverschluss! Ich weckte aufgeregt meine Freundin. Sie kam verschlafen in die Küche und mein Herz klopfte bis zum Hals als wir den Reissverschluss aufzogen. Er ging über den ganzen Bauch bis um Hals. Ich griff tief hinein und zog einen Hasen raus. Er musste die Ohren einklappen um im Katzenkostüm Platz zu haben. Ha! Was für ein Betrug. Ich wusste doch, dass da etwas faul war! Auch die faule Katze hatte einen Reissverschluss und auch da zog ich einen Hasen heraus. Er war jedoch teilweise gelähmt. Dies erklärte auch warum er als Katze so faul war. Die Katzenfelle lagen nun leblos am Boden während zwei Hasen in den Katzenkorb hoppelten. Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, denn das Rätsel war ja noch nicht gelöst. Die ganze Geschichte ist sogar noch mysteriöser geworden. Was führten die Männer bloss im Schlide? Sind wir in Gefahr? Mir war klar, dass wir die Hasen loswerden mussten. Und zwar schnell bevor noch etwas passiert. Doch meine Freundin schien sich gar keine Sorgen zu machen, es schien als freue sie sich über die Hasen. Sie zeigte eine solche Zuneigung für die Katzen und nun überträgt sie diese von einer Minute auf die andere auf die Hasen? Da erkannte ich, dass es für sie keinen Unterschied machte. Nichts machte für sie einen Unterschied.

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