Eine Ode an den Bachelor

Ich sitze beim Italiener. Eine Frau kommt rein und sagt “John Porno” anstatt “Buongiorno”. Das finde ich lustig. Nicht den Witz, sondern, dass sie das sagt. Wenn die Leute genug verzweifelt sind, tun sie alles. Sie suchen sich einen Job im Aargau, sagen “John Porno” oder machen beim Bachelor mit. Den finde ich auch lustig. Und traurig. Ich schäme mich für die Ladies und manchmal auch für mich selbst. Aber darum schaue ich nicht. Sondern wegen den kurzen Momenten, wo wahre Gefühle aufblitzen. Weil sonst alles insziniert ist, stechen diese viel mehr heraus. 36,6 Grad warm, direkt aus dem Leben, wo Unsicherheit, Ratlosigkeit und Angst für einmal nicht hinter grossen Brüsten oder einem Bizeps versteckt werden. Wenn der Bachelor ein verzweifeltes “Bitte vergib mir, ich weiss ja au nöd was di richtig Entscheidig isch” weint, dann finde ich das grandios. Der allwissende, töfffahrende Bachelor, der genau weiss was er will und mit beiden Beinen im Leben steht, fleht um Vergebung. Das ist authentisch. Und anders. Und anders finde ich super. Ausser man schreit im Zug fremde Leute an. Dann ist das zwar anders, aber nicht super. Gegen den Schluss hat eine gesagt, sie habe “Gänsehuät”. Ich habe selbst zwar keinen Hut, aber ich finde es toll, wenn andere einen haben.

Erdnüsse

Ich sitze im Zug und muss zur Arbeit. Es fängt an zu regnen. Als ich nach draussen schaue, sehe ich einen wunderschönen Regenbogen. Er scheint ziemlich weit weg, aber ich steige trotzdem aus und gehe zu ihm hin. Nach zwei Stunden bin ich schon weit gekommen, aber der Regenbogen scheint immer noch gleich weit entfernt. Aus einem mir unerklärlichen Grund überkommen mich Zweifel: Kann es sein, dass ich ihn nie erreiche obwohl ich ihn doch vor mir sehe? Trotzig gehe ich weiter. Er leuchtet jetzt ganz intensiv. Nach 3 weiteren Stunden stehe ich endlich vor ihm. Er leutet so übertrieben vor sich hin, als existiere er nur für einen kurzen Moment. Nach einigem Zögern trete ich in ihn ein. Es dampft in allen Farben um mich herum und ist heiss wie in einer Sauna. Die Luftfeuchtigkeit beträgt fast hundert Prozent und das Wasser läuft in allen Farben meinen Körper hinab. Gelb, Grün, Pink, Türkis und alle erdenklichen Töne dazwischen. Alle Farben, die man sich vorstellen kann. Ich wische mir mit dem Handrücken über mein Gesicht und die Farben verlaufen ineinander. Sie ergeben ein psychedelisches Gemisch. Ich komme mir vor wie in einem guten Film. Dann atme ich tief ein und die Farbe läuft in meinen Mund, meine Kehle hinunter in meinen Magen. Es ist ziemlich heiss. Ich schwitze. Ich drehe mich um meine eigene Ache und schaue dabei nach oben. Abertausend kleine Wassertröpfchen in allen Farben fliegen in den Himmel. Dann beisse ich in das leuchtende Violett. Ich frage mich wie auf dieser Welt so wunderschöne Dinge existieren können und warum ich mich so unendlich alleine fühle. Und auch warum die Dinge nicht so sein können wie früher. Auf dem Weg zurück kaufe ich mir eine Packung Erdnüsse und sie sind gar nicht mal so gut.

Der Pole

Heute habe ich mit einem Polen gesprochen und wir uns nicht verstanden. Dann haben wir halt gelacht und uns und so gegenseitig mit dem Kopf zugenickt, als wüssten wir was der andere meint. Weil ich nicht wusste was er meint, habe ich ziemlich viel genickt. Dabei fühlte ich mich unwohl, also habe ich gesagt ich müsse auf die Toilette. Jetzt gehe ich durch die Nacht. Es ist so dunkel wie im Bauch einer Kuh. Die Stimme in meinem Ohr singt: “I’m free to be the greatest, I’m alive” und ich muss daran denken was Wiz Khalifa heute getwittert hat: Wake up, some a jay and get your shit together. Ich frage mich wo das alles hinführt.